|
wussten Sie schon ..... ???
Was geschieht bei der Uhren-Reparatur
Lieber Uhrenfreund!
Sie haben mir Ihre Uhr zur Reparatur übergeben, ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen. Ich weiß, Sie vermissen Ihren gewohnten Zeitmesser jetzt sehr. Bitte lassen Sie mir aber etwas Zeit für die Reparatur Ihrer Uhr, damit die Arbeit sorgfältig und mit den erforderlichen Funktionskontrollen durchgeführt werden kann. Nur dann kann ich für die Arbeiten in meiner Werkstatt die volle Reparatur-Garantie übernehmen. Für die Übergangszeit werden Sie sicher noch eine Zweituhr besitzen. Nun, es können viele Gründe hierfür vorliegen, denn eine Uhr ist eine komplizierte und empfindliche Maschine. Sie besteht aus ca. 100-200 Einzelteilen, je nachdem, ob es sich um eine Quarzuhr, um eine Automatik oder um einen Chronographen handelt. Sie läuft ununterbrochen, Tag und Nacht, ohne Pause und ohne Wartung, in jeder Lage und immer im gleichen Rhythmus. Weder Bewegungen und Stöße noch Temperaturveränderungen können ihren gleichmäßigen Lauf nennenswert beeinflussen. Wie bei jeder Maschine, so unterliegen auch die beweglichen Teile der Uhr einer Abnutzung. Das hat natürlich Einfluss auf den Gang der Uhr (besonders bei mechanischen Uhren ohne Batterie). Darüber hinaus spielt die Qualität des Uhrenöles eine entscheidende Rolle. Das Öl vermindert die Reibung der gleitenden Teile. Auch hochwertige Spezialöle verbrauchen sich dabei im Laufe der Zeit und "verharzen", wie man sagt. Das gealterte Öl muss deshalb genau wie beim Auto gelegentlich ausgewechselt werden, denn sonst ist die Bremswirkung des verharzten Öles eines Tages größer als die Kraft der Triebfeder oder Batterie, und die Uhr bleibt stehen. Im allgemeinen sollte eine General-Überholung in Abständen von ca.3-5 Jahren vorgenommen werden, auch wenn die Uhr noch geht. Die Krone zum Aufziehen der Triebfeder oder Zeigerstellen, das Uhrglas und die Federstege als Halter des Uhrbandes am Gehäuse unterliegen dem Verschleiß. Bei der Generalinspektion sollten auch diese Teile geprüft und evtl. ersetzt werden. Sie werden mehr Freude an Ihrer Uhr haben, wenn Sie sie sorgfältig und der Qualität entsprechend behandeln. Ziehen Sie bitte Ihre Uhr regelmäßig auf, am besten morgens. Mit einer "Automatik" oder "Quarz" ersparen Sie sich natürlich diese Arbeit.
Sie zieht sich automatisch auf und geht infolge der gleich rnässigen Antriebskraft genauer als eine normale Uhr. Jede, auch kleinste Bewegung wird zur Spannung der Triebfeder ausgenutzt, und zwar solange, bis eine genügende Gangreserve gespeichert ist. Sie können also am Abend Ihre Automatik beruhigt ablegen, sie hat genügend Kraft gespeichert, um bis zum nächsten Tag zu laufen.
Die Quarzuhr läuft mit ihrer Batterie mindestens 1 Jahr bei fast gleichbleibender hoher Ganggenauigkeit. Die Lebenszeit einer Uhrenbatterie hängt von Ihrer Kapazität (Speichervermögen für elektr. Energie) und vom Stromverbrauch des Uhrwerkes ab. Wir verwenden natürlich nur Batterien mit der höchsten Speicherdichte und der größten Sicherheit gegen ein Leckwerden. Außerdem hält Ihre Batterie länger, wenn Sie die Uhr vor großer Hitze (Sonneneinstrahlung) und, bei nicht wasserdichten Gehäusen, die Uhr vor Wasser schützen. Bei Uhren mit Zusatzfunktionen (Licht, Alarm) sollten Sie diese Funktionen nur benutzen, wenn Sie sie wirklich brauchen. Das Lämpchen in Ihrer Uhr zum Beispiel braucht 1000 mal mehr Strom als das Uhrwerk.
Bei mechanischen Uhren: Wenn Sie meine Leistungen beurteilen, dann denken Sie bitte daran, dass der Umgang mit den lupenkleinen Teilen einer Uhr eine komplizierte Sache ist. Das Regulieren der Uhr erfolgt nicht allein durch Verschieben des Rückerzeigers, vielmehr besteht die Kunst des Regulierens darin, die Anzahl der Unruhschwingungen trotz vieler störender Einflüsse konstant zuhalten. Es sind die ständigen Lagenveränderungen, Bewegungen und Stöße, Temperaturveränderungen, die Kraftminderung, magnetische und andere Einflüsse, die das Regulieren erschweren. Meine handwerkliche Kunst wird Ihrer fertig montierten Uhr die optimale Reglage geben, doch muss ich Sie darauf hinweisen, dass eine "Sekunden-Reglage" nur bei sehr guten Präzisionsuhren und Chronometern möglich ist. Normale Gebrauchsuhren müssen sich, je nach ihrer Qualität, mit Minutentoleranzen begnügen. Mehr Ganggenauigkeit bringt natürlich eine Quarzuhr, bei der die Gangdifferenz je nach Qualität bei wenigen Sekunden im Monat liegt. Absolute Genauigkeit bieten heute sogenannte Funkuhren, die die Zeit über einen kleinen eingebauten Empfänger von der Atomuhr in Braunschweig empfangen.
Leistungen einer mechanischen Uhr: Die Unruh macht 691.200 Halbschwingungen pro Tag. Das sind 252 Millionen und 288.000 Halbschwingungen im Jahr. Die Unruh dreht sich genauso schnell wie das Antriebsrad einer mit 140 Stundenkilometern fahrenden Lokomotive. Würde man den Unruhreifen anstatt in schwingende in rotierende Bewegung versetzen, so würde er in 1 Jahr einen Weg von 4000 km zurücklegen.
An der Unruhwelle befinden sich am unteren und oberen Ende dünne Zapfen, die oft nur 7-hunderstel Millimeter dick sind. Die Lagersteine für die Radzapfen bestehen aus synthetischen roten Rubinen, die härter sind als Natur–Rubine. Diese Uhrsteine sind bei Stoss und Schlag bruchgefährdet. Als kleinste Maschine der Welt besitzt die Uhr eine Kraft, die etwa 1/1000 millionstel PS entspricht. Je nach Tätigkeit des Uhrenträgers ist eine Armbanduhr täglich 7.000 bis 40.000 Erschütterungen ausgesetzt. Zur Anfertigung einer Uhr sind über 1.500 einzelne Arbeitsgänge notwendig. Manche Uhrschrauben sind so klein, dass 50.000 Stück davon in einen Fingerhut passen.
Wie funktioniert ein mechanisches Uhrwerk : Durch das Drehen der Aufzugskrone wird über die Aufzugwelle, die Räder und Triebe des Aufzugsystems der Zugfeder Energie zugeführt. Das innere Ende der Feder ist mit dem Federkern verbunden, welcher sich beim Betätigen der Krone dreht. Ein Gesperr verhindert, dass sich der Federkern durch die sich spannende Feder zurückdrehen kann. Das äußere Ende der Feder ist am Federhaus befestigt und kann so, mittels der Spannkraft der aufgewundenen Feder, diese Kraft auf das nächste Rad im Getriebe weiterleiten. Normalerweise ist dies das Minutenrad, auf dessen verlängertem Ende der Minutenzeiger sitzt. Das darauf folgende Kleinbodenrad und Sekundenrad leiten die Energie weiter an das Ankerrad. Durch diese mehrfache Kraftübertragung von Rad zu Rad (Trieb) liegt am Ankerrad bedeutend weniger Kraft an, als an dessen Ursprung, dem Federhaus. Schließlich leitet die Hemmung, mittels Ankerrad und Anker, die Energie in kleinen Stößen weiter, was sich als Ticken bemerkbar macht, auf das zeitbestimmende Schwingungssystem der Unruh mit der Spirale. Die Hemmung einer mechanischen Armbanduhr leistet unglaubliches. Bei einer Schlagzahl von 28800 Halbschwingungen (tick's) in der Stunde ergibt dies mehr als eine Milliarde Kraftstöße in 4 Jahren ! Ein Punkt auf dem Reif der Unruh eines solchen Werkes würde im Lauf eines Jahres eine Wegstrecke von mehr als 4000 km zurücklegen. Jede Abweichung von der berechneten Frequenz durch Stöße, Temperatur und andere äußere Einflüsse bewirkt ein Falschgehen der Uhr.
Werterhaltung Ihrer Armbanduhr: Ihre Uhr ist ein Qualitätsprodukt, benötigt aber auch sorgfältige Pflege um Ihnen lange Freude zu bereiten. Jede Uhr sollte monatlich außen gereinigt werden, da Schweiß , Kosmetika und andere Chemikalien die Beschichtung von Gehäuse und Band angreifen können. Falls Ihre Uhr auf dem Gehäuseboden mit „water resistant" gekennzeichnet ist, kann sie mit einer weichen Bürste und Seifenlauge gereinigt werden. Nicht wasserdichte Modelle sollten mit einem weichen Tuch abgerieben werden. Wasserdichtheit ist leider keine immerwährende Eigenschaft. Jede Beschädigung des Glases, der Krone-Aufzugwelle oder der Dichtung führt meist zum Verlust der Wasserdichtigkeit, eindringende Feuchtigkeit zerstört das Werk bzw. auch das Zifferblatt. . .
"Waterresistant" bis 30m (3bar) entspricht nach DIN 8310 einer Uhr, die nicht zum Schwimmen geeignet ist, (alleine der Wasserdruck aus der Leitung kann schon mehr als 3 bar betragen!). Nur Uhren mit der Kennzeichnung "waterresistant" 50m sind zum Schwimmen, nicht jedoch für Wassersport geeignet.
Wir empfehlen Ihnen daher, regelmäßig bei Ihrem Fachhändler, mindestens 1 mal jährlich, eine Überprüfung durchführen zu lassen. Gerade die Krone ist relativ empfindlich gegen Stoß bzw. Schlag und dies kann, oft von Ihnen unbemerkt, geschehen. Kondenswasser unter dem Glas ist ein sicheres Anzeichen für Undichtigkeit, gehen Sie sofort zu Ihrem Uhrenfachhändler. Bei Beachtung dieser Information können Sie sicher sein, den Wert Ihrer Uhr lange zu erhalten.
Ich hoffe Ihnen hat meine kleine Uhrenkunde gefallen
Ihr Uhrmachermeister & Juwelier
Ralf Deuster
|